Prävention rechnet sich – und ist in Österreich verpflichtend. Das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG §§ 4 & 7) verlangt die systematische Gefahrenverhütung und Evaluierung; wirtschaftliche Optimierung beginnt erst oberhalb dieser Mindeststandards. Return on Safety (RoS) macht sichtbar, wie Sicherheitsmaßnahmen Lieferfähigkeit stabilisieren, Kosten senken und Cashflows glätten. 🛡️📈
Business-Ziel: Stabiler Output, planbare Kosten, bessere Margen
- Liefer- und Produktionssicherheit: weniger ungeplante Stillstände, höhere Termintreue.
- Kosten- und Ergebniswirkung: geringere Ausfall- und Qualitätskosten, reduzierte Störkosten im Betrieb.
- Risikoreduktion: geringere Volatilität im Ergebnis, verbesserte Versicherungs- und Finanzierungskonditionen.
- ESG und Markt: Audit-Fähigkeit, Kundenanforderungen, Arbeitgeberattraktivität.
Technische Hebel (Stand der Technik)
- Gefahrenquelle eliminieren/substituieren: konstruktive Änderungen statt personenbezogener Maßnahmen (ASchG § 7).
- Technische Schutzmaßnahmen an Maschinen: Risikobeurteilung nach ÖNORM EN ISO 12100; sichere Steuerungskonzepte nach EN ISO 13849-1 bzw. IEC 62061; normgerechte elektrische Ausrüstung nach EN 60204-1.
- Ergonomie und Materialfluss: reduzierte manuelle Lasten, optimierte Greifräume, automatisierte Zuführung zur Senkung muskuloskelettaler Belastungen.
- Betriebssichere Instandhaltung: zustandsorientierte und vorausschauende Instandhaltung sicherheitskritischer Komponenten; sauberes Lockout-Tagout-Verfahren.
- Digitale Unterstützung: Beinaheunfall-Erfassung, mobile Sicherheitsbegehungen, Maßnahmentracking; Schulungsnachweise digital.
- Organisation und Kompetenz: Rollen, Verantwortlichkeiten, qualifizierte Unterweisung; Managementsystem nach ISO 45001 als Rahmen.
Wirtschaftliche Wirkung: Von Risiko zu Euro
- Kostenarten erfassen:
- Direkt: Lohnfortzahlung, Ersatzpersonal/Überstunden, Reparaturen, Ausschuss/Nacharbeit, Stillstandskosten, externe Gutachten.
- Indirekt: Lieferverzug/Vertragsstrafen, verlorene Deckungsbeiträge, Prämieneffekte, Produktivitätsverlust im Team, Managementaufwand, Reputations- und ESG-Risiken.
- Wirkungsketten quantifizieren:
- Ausfalltage → reduzierte Kapazitätslücke → verringerter Outsourcing-/Expressbedarf.
- Störungen → höhere Gesamtanlageneffektivität (OEE) → mehr verkaufbare Einheiten.
- Qualitätsfehler → weniger Nacharbeit/Ausschuss → geringere Herstellkosten.
- Kennzahlen und Formeln:
- Return on Safety (RoS) = (vermeidbare Kosten + zusätzlicher Deckungsbeitrag – Investitions- und Betriebskosten) / Investitions- und Betriebskosten.
- Erwartungswertansatz: E[Schaden] = Ereignisfrequenz × mittlere Schwere × Kosten pro Ereignis.
- Produktivität: ΔDB = ΔOutput × Stückdeckungsbeitrag – Zusatzkosten.
Evidenz aus belastbaren Studien zeigt, dass Investitionen in Sicherheit typischerweise positive Nutzen-Kosten-Verhältnisse erzielen (z.B. Bandbreiten >1 bis deutlich >2, abhängig von Branche, Maßnahme und Ausgangslage). Diese Werte sind kontextspezifisch zu verifizieren, ersetzen jedoch nicht die gesetzlichen Mindestvorgaben.
Umsetzung und Controlling (AT-rechtskonform)
1) Compliance-Basis schaffen:
– Allgemeine Grundsätze der Gefahrenverhütung anwenden (ASchG § 7).
– Ermittlung und Beurteilung der Gefährdungen inkl. Dokumentation und Maßnahmenfestlegung (ASchG §§ 4 & 5).
2) Risiko- und Potenzial-Scan:
– Top-10 Verlusttreiber identifizieren (Störungen, Beinaheunfälle, ergonomische Hotspots, wiederkehrende Qualitätsmängel).
– Risikobeurteilung je Maschine/Prozess nach ÖNORM EN ISO 12100.
3) Maßnahmenportfolio priorisieren:
– Bewertungsmatrix: Risikoreduktion, RoS, Umsetzungszeit, Abhängigkeiten, Normkonformität.
– Vorrang für Eliminations- und technische Maßnahmen vor organisatorischen/individuellen.
4) Realisierung:
– Lastenheft mit Sicherheits- und Verfügbarkeitszielen; formale Abnahme inkl. Funktions- und Stoppzeiten.
– Änderungsmanagement, Unterweisung, Wirksamkeitsprüfung.
5) Controlling:
– Führende Kennzahlen (Leading Indicators): gemeldete unsichere Zustände pro 100 Mitarbeitende, Maßnahmenabschlussquote, Audit- und Schulungsquote, mittlere Zeit bis Abstellung eines kritischen Befunds, Not-Halt-Betätigungen pro 10.000 Betriebsstunden.
– Ergebniskennzahlen (Lagging): Ausfalltage, Unfallhäufigkeit/Schwere, OEE, Ausschussquote, Vertragsstrafen, Prämienentwicklung.
– Review im Management: monatlicher RoS-Report, Quartals-Portfolio-Entscheide.
Rechenlogik – Vorlage für den Business Case
- Ausgangsdaten:
- Ereignisfrequenz und -schwere (3–5 Jahre Historie, Beinaheunfall-Quote inkludieren).
- Kostenblöcke pro Ereignis (Produktion, Qualität, Personal, Logistik, Versicherung).
- Prozess- und Anlagendaten (OEE, Takt, Engpass, Stückdeckungsbeitrag).
- Maßnahme:
- Zielrisiko nach Umsetzung (begründet durch Norm, Techniknachweis, Test).
- Investitions- und Betriebskosten über Lebensdauer.
- Ergebnis:
- Jährliche Vermeidungskosten = (ΔFrequenz × Kostensatz) + (ΔSchwere × Kostensatz) + ΔDB durch Produktivität.
- Payback, Kapitalwert, Sensitivität (±20 % Annahmen auf Frequenz und Kostensatz).
- Governance:
- Mindestanforderungen Gesetz/Norm: nicht verhandelbar.
- Wirtschaftliche Optimierung: Maßnahmenreihenfolge, Technologievarianten, Timing.
Rechtlicher Rahmen (AT)
- Gesetzliche Mindestpflichten: Anwendung der allgemeinen Grundsätze der Gefahrenverhütung (ASchG § 7) sowie Ermittlung und Beurteilung der Gefährdungen einschließlich Ableitung und Umsetzung von Maßnahmen (ASchG § 4). Diese Pflichten sind unabhängig von wirtschaftlichen Erwägungen einzuhalten.
- Normen und Herstellerangaben dienen der Umsetzung des Stands der Technik und zur Wirksamkeitsbegründung, ersetzen jedoch nicht die gesetzlichen Pflichten.
Fazit
Prävention ist ein Business-Treiber: Sie reduziert Ergebnisvolatilität, sichert Kapazität und steigert Deckungsbeiträge – mit belastbarer Evidenz und klaren gesetzlichen Leitplanken. Wer RoS systematisch misst und steuert, entscheidet schneller, zielgenauer und compliant.
Quellen
– ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) – Allgemeine Grundsätze der Gefahrenverhütung (§ 7) und Ermittlung und Beurteilung der Gefährdungen (§ 4). BGBl. Nr. 450/1994 idgF, ris.bka.gv.at (Stand: 2025).
– EU-OSHA: The business case for safety and health at work – Cost–benefit analyses of interventions (2014), osha.europa.eu.
– ISSA: The return on prevention – Calculating the costs and benefits of investments in occupational safety and health (2013), issa.int.
– ÖNORM EN ISO 12100: Sicherheit von Maschinen – Allgemeine Gestaltungsleitsätze – Risikobeurteilung und Risikominderung (2011), Austrian Standards.
Klarer nächster Schritt: Starten Sie mit einem RoS-Schnellcheck für Ihre Top-3 Verlusttreiber und priorisieren Sie das Maßnahmenportfolio. Kontaktieren Sie uns für eine pragmatische RoS-Analyse inklusive Kennzahlenset – Rückfragen jederzeit willkommen.
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