Dosiersysteme im Griff – Volumen, Zeit oder Gewicht? Die Wahl des richtigen Prinzips entscheidet über Qualität, Ausschuss, Taktzeit und Betriebskosten. Dieser Leitfaden zeigt Funktionsprinzip, Auslegungskriterien, typische Fehlerbilder und praxistaugliche Instandhaltung – mit klarem Fokus auf Anlagenbetrieb. ⚙️📏
Funktionsprinzip
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Zeitgesteuerte Dosierung
Das Stellglied (Ventil, Pumpe) öffnet für eine definierte Zeit. Die tatsächlich dosierte Menge ergibt sich aus dem momentanen Durchfluss. Vorteil: sehr einfach, geringe Investition. Nachteil: stark abhängig von Druck, Temperatur, Viskosität oder Füllstand; driftanfällig. -
Volumetrische Dosierung
Die Menge wird über das Volumen erfasst, zum Beispiel mit Verdrängerpumpe (Hubvolumen pro Hub), Durchflussmessgerät (magnetisch-induktiv, Turbine) oder volumetrischem Schüttgutdosierer (Schnecke, Zellenrad). Vorteil: gut für konstante Medien und stabile Betriebsbedingungen. Nachteil: Dichte- und Kompressibilitätseinflüsse; bei Schüttgut Einfluss der Schüttdichte. -
Gravimetrische Dosierung (Gewicht)
Messgröße ist die Masse: entweder diskontinuierlich über Waage (Nettowaagen, Bruttowaagen) oder kontinuierlich über Bandwaage bzw. Differenzialdosierer (Loss-in-Weight). Vorteil: unabhängig von Dichte und Viskosität, hohe Genauigkeit. Nachteil: mechanisch aufwendiger, sensibel gegenüber Vibrationen und Zugkräften. ⚖️
Kerndaten und Auswahlkriterien
- Genauigkeit (typische Praxiswerte bei sauberer Auslegung)
- Zeitgesteuert: etwa 2–10 Prozent Abweichung, stark medien- und zustandsabhängig.
- Volumetrisch, Flüssigkeiten: etwa 0,3–1,5 Prozent (abhängig von Messverfahren, z.B. magnetisch-induktiv vs. Verdränger).
- Volumetrisch, Schüttgut: etwa 1–5 Prozent (abhängig von Fließverhalten und Entlüftung).
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Gravimetrisch: etwa 0,1–1 Prozent (Loss-in-Weight, Bandwaage, gravimetrische Füller).
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Medium und Prozess
- Flüssigkeiten: saubere, leitfähige Medien eignen sich für magnetisch-induktive Durchflussmessung; hochviskose Medien für Verdrängerpumpen; Gaseinschlüsse bevorzugen Massendurchfluss (Coriolis).
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Schüttgüter: kohäsiv oder neigend zu Brückenbildung benötigen Austragshilfen; stark schwankende Schüttdichte spricht für gravimetrisch.
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Dynamik und Takt
- Kurze Taktzeiten: grob/fein-Zweipunktregelung oder kombiniertes Stellglied (Schnellschlussventil plus Drossel).
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Kontinuierliche Dosierung: Drehzahlregelung, Differenzialdosierer, Bandwaage mit geschlossener Regelung.
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Betriebsumfeld
- Hygiene: Clean-in-Place (CIP)-fähige Sensoren/Aktoren, totraumfrei (Lebensmittel, Pharma).
- Umgebungslasten: Vibration, Zugkräfte, Temperaturgradienten – besonders kritisch für Wägesysteme.
- Einbau: gerade Einlaufstrecken für Volumensensoren, mechanische Entkopplung für Waagen, entlüftete Leitungen für Flüssigkeiten. 💧
Betrieb und typische Fehlerbilder
- Zeitgesteuert
- Schwankender Zulaufdruck, Viskosität, Füllstand → Mengendrift.
- Ventilverschleiß, Verzögerungen beim Öffnen/Schließen → Über- oder Unterschwinger.
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Gegenmaßnahmen: periodische Nachkalibrierung gegen Referenzmasse, Pufferbehälter mit konstantem Druckniveau, grob/fein-Takt.
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Volumetrisch
- Flüssigkeiten: Blasenbildung, Kavitation, elektromagnetische Einflüsse → Fehlmessung; Beschichtungen am Sensor → Nullpunktdrift.
- Schüttgut: Brückenbildung, Rattenbildung, Verstopfung; variierende Schüttdichte → Mengenschwankung.
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Gegenmaßnahmen: Entlüfter, Pulsationsdämpfer, Einlaufstrecken; Austragshilfen (Rüttler, Fluidisierung), am besten gravimetrische Nachführung.
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Gravimetrisch
- Vibrationen, Seitenkräfte, Reibschläuche, verklemmte Kabel → Wägedrift.
- Nachfüllphasen bei Loss-in-Weight → Messunterbrechung bzw. Störung der Regelung.
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Gegenmaßnahmen: elastische Entkopplung, Zugentlastungen, Windschutz; Pufferstrategie für Nachfüllung, adaptive Filter; regelmäßige Null- und Ecklastprüfung.
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Regelungstechnik
- Proportional-Integral-Derivative (PID) mit Durchflussbegrenzung, Feedforward (Drehzahlvorgabe aus Kalibrierfaktor), Coarse/Fine-Umschaltung.
- Toter Raum, Kompressibilität und Verzögerungen früh erfassen und in der Parametrierung berücksichtigen.
Instandhaltung und Kalibrierung
- Allgemein
- Sichtprüfung auf Beläge, Leckagen, lose Befestigungen; Stellglied-Laufzeiten prüfen.
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Referenzmessungen mit Prüfmassen bzw. Messkolben; Kalibrierfaktoren dokumentieren und rückführbar verwalten.
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Volumetrik
- Verdrängerpumpen: Verschleiß an Dichtungen und Rotoren prüfen, Schlupf kompensieren.
- Durchflussmessgeräte: K-Faktor-Verifikation, Nullpunkteinrichtung; bei magnetisch-induktiv Elektroden reinigen.
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Ein- und Auslaufbedingungen sichern (keine unnötigen Armaturen, ausreichende Beruhigungsstrecken).
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Gravimetrik
- Lastzellen: Nullpunkt, Linearität, Ecklast; mechanische Einbausituation (Freiheitsgrade, Stopper) kontrollieren.
- Vibrationsdämpfer und flexible Verbindungen inspizieren; Kabelabschirmung und Erdung überprüfen.
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Loss-in-Weight: Nachfüllventile und Schieber auf Dichtheit und Reproduzierbarkeit prüfen; Nachfüllstrategie testen.
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Schüttgut-spezifisch
- Austragshilfen funktionsfähig halten; regelmäßige Reinigung gegen Anbackungen; Feuchtegehalt im Blick.
- Schnecken und Zellenräder auf Verschleiß (Spaltmaß) prüfen, da es direkt den Förderstrom beeinflusst.
Praxis-Check: Welche Methode wann?
- Grobe Mengen, kurze Takte, geringe Genauigkeitsanforderungen: Zeitgesteuert mit grob/fein-Stufe.
- Flüssigkeiten mit stabilen Eigenschaften und mittlerer Genauigkeit: Volumetrisch (magnetisch-induktiv, Verdränger), optional mit Massedurchfluss für hohe Präzision.
- Schüttgüter mit variierender Schüttdichte, hohe Qualitätsanforderung oder Rezepturdosierung: Gravimetrisch (Loss-in-Weight, Bandwaage).
- Abfüllung in Verkaufseinheiten oder Qualitätsnachweis gefordert: bevorzugt gravimetrisch oder massenbasiert; bei Flüssigkeiten Coriolis-Massedurchfluss oder Nettowaagen einsetzen.
Hinweise zur Auslegung
- Frühzeitig Testen: Produktmuster auf Prüfstand (Fließfähigkeit, Schüttdichte, Entlüftung, Viskosität).
- Reserve einplanen: Regelbereich des Dosierorgans sinnvoll wählen (arbeite im mittleren Stellbereich).
- Mechanik vor Elektronik: saubere, entkoppelte Einbausituation bringt oft mehr als aufwendige Filterung.
- Daten nutzen: Messwertqualität (Signal-Rausch-Verhältnis), Anzahl der Nachkalibrierungen und Temperaturtrends als Kennzahlen zur Zustandsüberwachung einsetzen. 📊
Quellen
– OIML R 61: Automatic gravimetric filling instruments (2017), oiml.org
– Coperion K-Tron: Precision Feeding of Dry Bulk Solids – Application Guide (2016), coperion.com
– Endress+Hauser: Coriolis-Durchflussmessung – Grundlagen und Anwendungen (2022), endress.com
– Siemens: Weighfeeders – Application Handbook (2020), siemens.com
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