Lean in Technikbereichen heißt: Fluss statt Feuerwehreinsatz. Es geht um stabile Anlagen, kurze Durchlaufzeiten, „First Time Right“ in der Entwicklung und einen schlanken Ersatzteilkreislauf – messbar in Produktivität, Qualität und gebundenem Kapital. 🔧📊
Business-Ziel
- Höhere Anlagenverfügbarkeit und Ausbringung ohne zusätzliche Kapazitäten
- Kürzere Entwicklungs- und Änderungsdurchlaufzeiten bei gleichbleibendem oder besserem Qualitätsniveau
- Niedriger Bestand an Ersatzteilen und Betriebsmitteln bei gesicherter Versorgung
- Transparente, wiederholbare Prozesse als Grundlage für Digitalisierung und Automatisierung
Technische Hebel
Instandhaltung und Anlagenmanagement
- Total Productive Maintenance (TPM): Autonome Instandhaltung, zustandsorientierte Wartung, frühe Einbindung der Instandhaltung in Beschaffungs- und Layoutentscheidungen
- Rüstzeit-Reduktion mit „Single Minute Exchange of Die“ (SMED): Technische Trennung interner/externen Schritte, Vorrichtungs- und Werkzeugstandardisierung
- Fehlervermeidung (Poka-Yoke) und automatische Abschaltung/Signalgebung (Jidoka) für schnellere Störbehebung
- Ersatzteilversorgung mit Kanban und definierten Mindestbeständen, unterstützt durch Stammdatenhygiene und kritikalitätsbasierte Klassifizierung
- Standardisierte Instandhaltungsarbeit und visuelles Management (z.B. Andon, Gemba-Boards)
Produktions- und Verfahrenstechnik
- Flussorientierte Layouts und Reduktion von Umlaufbeständen; Materialversorgung im „Pull“-Prinzip (Kanban, Supermarkt)
- Standardarbeit für Rüsten, Start-up und Prozessparameter; Freiheitsgrade dort, wo sie Wert stiften (z.B. Versuchsfenster)
- Robustheit durch Prozessfähigkeitsaufbau vor Automatisierung; Digitalisierung unterstützt stabile Standards, ersetzt sie nicht
Entwicklung und Konstruktion
- Lean Development: Set-basierte Entwicklung und frühzeitige Variantenreduktion; klare Taktung von Entscheidungen
- Obeya und A3-Problemlösung: Fokus auf Engpässe, Entscheidungen sichtbar, Abweichungen zeitnah lösen
- Design for Manufacturing/Assembly (fertigungsgerechtes und montagegerechtes Konstruieren), Modulbaukästen und Wiederverwendung von Lösungen
- Aufgabensteuerung mit Kanban für Wissensarbeit; Begrenzung paralleler Arbeiten zur Reduktion von Wartezeiten und Rückfragen
Technische Services und IT/OT-Schnittstelle
- Daten dort erheben, wo Entscheidungen fallen; einfache, robuste Visualisierungen vor komplexen Dashboards
- Zustandsüberwachung gezielt einsetzen, wenn sie Wartung in den Fluss bringt (z.B. Vermeidung von Über- und Unterwartung)
- MES/ERP nur so weit koppeln, wie es den Fluss unterstützt; Schnittstellen schlank halten, Stammdaten stabilisieren 📉
Wirtschaftliche Wirkung
- Produktivität: Steigerung der Ausbringung pro Anlage und Schicht durch weniger Stillstände und kürzere Rüstzeiten
- Qualität: Weniger Nacharbeit und Ausschuss durch robuste Prozesse und Poka-Yoke
- Kapitalbindung: Reduktion von Umlauf- und Ersatzteillagern durch Pull-Steuerung und zuverlässige Wiederbeschaffung
- Kapitaleffizienz: Vermeidung von Zusatzinvestitionen durch bessere Nutzung bestehender Anlagen
- Personaleffizienz: Höhere Wirksamkeit von Fachpersonal durch Standardarbeit, klare Priorisierung und Störvermeidungsmaßnahmen
Kennzahlen, die die Effekte transparent machen:
– Gesamtanlageneffektivität (OEE): verbindet Verfügbarkeit, Leistung und Qualität
– Durchlaufzeit von Änderung und Entwicklung: vom Auftrag bis zur Freigabe
– Mittlere Reparaturdauer (MTTR) und mittlere störungsfreie Zeit (MTBF)
– „First Time Right“-Quote in Entwicklung, Inbetriebnahme und Serienanlauf
– Bestandstage in Ersatzteilen und Umlaufbestand
Umsetzung und Controlling
1) Ausgangslage strukturieren
– Wertstromanalyse für Technikprozesse: Instandhaltungsfluss (Störung → Diagnose → Ersatzteil → Freigabe), Engineering-Change-Flow, Proben-/Freigabekette
– Engpässe identifizieren: lange Rüstungen, fehlende Standards, hohe Rückfragenquote, Teileverfügbarkeit
2) Pilot und Standard
– Pilotbereich auswählen (kritische Linie/Anlage oder Entwicklungsobjekt)
– Paket schnüren: TPM-Basis, SMED-Workshop, Standardarbeit, visuelles Management, Kanban für Ersatzteile
– A3-Problemlösung und Plan-Do-Check-Act (PDCA) als Routine einführen
3) Skalierung und Verankerung
– Technische Standards in Instandhaltungs- und Konstruktionsrichtlinien überführen
– Obeya-Routinen für bereichsübergreifende Entscheidungen (Produktion, Instandhaltung, Entwicklung, Qualität, Controlling)
– Rollen und Kompetenzen klären; Qualifikation auf Lean- und Problemlösemethoden aufbauen
4) Wirksamkeit steuern
– KPI-Kaskade mit Baseline, Ziel, Verantwortlichem, Maßnahme und finanzieller Wirkung
– Nutzenrechnungen mit Bezug zur Gewinn- und Verlustrechnung: Output, Ausschusskosten, Instandhaltungskosten, Bestandskosten, vermiedene Investitionen
– Audit der Standards und Ursachenanalyse bei Abweichungen; Standards verbessern, nicht umgehen
Praxisüberblick (Auswahl)
| Lean-Ansatz | Einsatz im Technikbereich | Zentrale Kennzahl | Wirtschaftlicher Hebel |
|—|—|—|—|
| Total Productive Maintenance | Autonome/Geplante Instandhaltung, frühe Anlagenpflege | Gesamtanlageneffektivität | Mehr Ausbringung ohne Investitionen |
| SMED (Rüstzeit-Reduktion) | Mechanik/Peripherie, Werkzeug- und Vorrichtungswechsel | Rüstzeit je Wechsel | Kürzere Losgrößen, weniger Bestände |
| Poka-Yoke/Jidoka | Fehlervermeidung und automatische Stopp-Funktion | „First Time Right“-Quote | Weniger Ausschuss/Nacharbeit |
| Kanban für Ersatzteile | Verbrauchs- und kritikalitätsbasiert | Bestandstage, Verfügbarkeit | Niedriger Bestand bei hoher Verfügbarkeit |
| Obeya/A3/PDCA | Entwicklungs- und Änderungssteuerung | Durchlaufzeit, Entscheidungsalter | Schnellere Freigaben, weniger Schleifen |
| Standardarbeit/Visualisierung | Rüsten, Störungssuche, Abnahme | Abweichungsrate vom Standard | Reproduzierbare Ergebnisse, schnellere Einarbeitung |
Erfolgsfaktoren und Fallstricke
- Erst stabilisieren, dann digitalisieren: Automatisierung auf instabile Prozesse verstärkt Verschwendung.
- Technische Standards pflegen: Ohne klare Standardarbeit verliert Lean an Halt.
- Controlling früh einbinden: Wirkungen in Euro transparent machen; Erfolg nicht nur in Prozentpunkten messen.
- Ersatzteilstammdaten kuratieren: Klassifizierung, Mindest- und Meldebestände, Lieferzeiten – sonst scheitert Pull.
- Führung am Ort des Geschehens (Gemba): Entscheidungen dort treffen, wo Probleme sichtbar sind.
- Sicherheit und Vorschriften: Lean ergänzt rechtliche Pflichten, ersetzt sie nicht; technische Änderungen stets mit Arbeitssicherheit und Qualität abstimmen.
Klare Empfehlung: Start mit einem fokussierten Pilot, der einen sichtbaren Engpass löst. Standards und Routinen absichern, dann skaliert ausrollen – mit einer KPI- und Nutzenlogik, die in die Ergebnisrechnung wirkt.
Quellen
– Womack, J.P.; Jones, D.T.: Lean Thinking (2003). Free Press.
– Ohno, T.: Toyota Production System: Beyond Large-Scale Production (1988). Productivity Press.
– Nakajima, S.: Introduction to Total Productive Maintenance (1988). Productivity Press.
– ISO 18404:2015 — Quantitative methods in process improvement — Six Sigma — Competencies for key personnel and their organizations in relation to Six Sigma and Lean implementation (2015). ISO 18404:2015.
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